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Zum Wiesn-Start: Unsere Evi ist dabei

Veröffentlicht am: 10. September 2015 | um 13:36 Uhr

Es geht wieder los! In München öffnet das größte Volksfest der Welt wieder seine Tore und Einheimische sowie Gäste aus der ganzen Welt strömen auf die Wiesn. Das 182. Oktoberfest ist es schon. Ca. 6 Mio. Gäste werden wieder erwartet, ca. 6 Mio. Liter Bier werden voraussichtlich wieder ausgeschenkt, die Bierpreise liegen bei ca. 10 Euro. Auch an der Alpenregion Tegernsee Schliersee wird die Wiesn nicht spurlos vorbeigehen, an den Bahnhöfen tummeln sich den ganzen Tag lang Gäste und Einheimische in Tracht und am Abend tritt so mancher seinen gar so kurvigen Heimweg an. Immerhin ist es ja nicht weit! Mit der Bayerischen Oberlandbahn ist man in ca. 1 Stunde am Hauptbahnhof in München und, wenn alles glatt läuft, in einer weiteren halben Stunde im Bierzelt. Und da wird gegessen, getrunken, gesungen, gefeiert was das Zeug hält.

Harte Arbeit bedeutet das Volksfest für diejenigen, die den “Bier-Nachschub” garantieren. Insgesamt sorgen ca. 12.000 Arbeitskräfte für einen reibungslosen Ablauf. Eine davon ist Evi Krinner. Sie ist eigentlich Marketing-Mitarbeiterin bei der Alpenregion Tegernsee Schliersee, Ende September schlüpft sie allerdings in die kurze Lederhose und übernimmt die ehrenwerte Rolle der Wiesn-Bedienung. Sie erzählt von netten und weniger netten Begegnungen und Erlebnissen auf dem berühmtesten Volksfest der Welt. Doch eine wichtige Tatsache gleich vorweg: Sie stemmt gar keine Maßkrüge! Nicht 12, nicht 8, nicht 4 – gar keine!

Evi, was bedeutet die Wiesn für dich?

“16 Tage Vollgas, oft ganz schön hart. Aber trotzdem eine super Zeit.”

Du arbeitest in Kufflers Weinzelt, was unterscheidet dieses von den anderen Wiesnzelten?

“Größter Unterschied natürlich: hier gibt’s kein Bier. Also zumindest keine Maßkrüge. Ganz ohne geht es aber auch nicht – bis 21 Uhr wird hier Weißbier ausgeschenkt. Und wie der Name schon sagt, gibt es hier hauptsächlich Wein. Und Champagner! Letzteren sogar in bis zu 15 Liter großen Flaschen! Weiterer Unterschied zu den Bierzelten: Das Weinzelt hat länger geöffnet, bis 1 Uhr! Auch die Speisekarte ist anders, als in den anderen Zelten. Es gibt hier zwar auch Hendl und Haxn, aber zudem kann man hier richtig fein und lecker essen. Die Wirtsfamilie Kuffler hat viele gastronomische Betriebe und im Weinzelt gibt es sozusagen ein “Best of” daraus. Das Angebot reicht von Thai-Spezialitäten über feine leichte Fischgerichte bis zu den typischen bayerischen Schmankerln. Für mich ist es einfach das schönste Zelt, kleiner, überschaubarer und es ist immer eine super Stimmung, sowohl im Zelt, als auch beim Personal. Hier arbeitet seit Jahren größtenteils das gleiche Team! Auch witzig – die Stars hupfn hier schon mal auf die Bühne, sogar Udo Jürgens hat hier früher immer mal wieder gespielt! Es gibt also immer was zu sehen.”

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Mal ganz von vorne: Wie kamst du eigentlich zum Job der Wiesnbedienung? Da gibt’s doch sicher lange Warteschlangen!

“Früher habe ich bereits einige Jahre bei der Wirtsfamilie in einem der Restaurants gearbeitet, da entstand ein guter Kontakt, der bis heute hält. Naja, so kam ich halt dazu. Dann stand ich erst einmal ein paar Jahre am Küchenpass, dort, wo die vielen leckeren Gerichte rauskommen. Und 2014 wollte ich dann mal als “richtige” Wiesnbedienung in einer Box arbeiten. Übrigens, wer auf der Wiesn bedienen möchte, muss sich einfach nur frühzeitig bewerben, das ist der ganze Trick.”

Das Weinzelt ist ja immer wieder in den Medien, weil sich hier die Stars und Sternchen die Klinke in die Hand geben, ist das wirklich so?

“Ja, scho! Es geht hier um “Sehen und gesehen werden”. Die Fußballer des FC Bayern München sitzen zum Beispiel oft hier und viele mehr! Ich musste auch schon des Öfteren irgendwelchen Kamerateams ausweichen, die ihre beliebten Promis in die Box verfolgen.”

Welche Stars hast du schon bedient?

“Welche Stars? Keine Ahnung! Die stehen alle so schnell auf den Tischen und feiern, dass man die Gesichter eigentlich erst zum Schluss sieht, wenn das Licht angeht! Und in Lederhose und Dirndl sehen eh alle anders aus.”

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Was war dein schlimmstes Wiesn-Erlebnis?

“Hm, schlimmes Erlebnis… Eigentlich gab es noch keine richtig schlimmen Erlebnisse bei mir, Gott sei Dank. Vielleicht habe ich zu Beginn den Job als Wiesn-Bedienung ein klein wenig unterschätzt. Ich dachte, bedient habe ich schon oft, dann schaffe ich das doch auch. Aber es hat mich dann zu anfangs doch sehr geflashed. Viel zu viele Eindrücke prasseln da auf einen ein, die Musik, der Lärm, das Durcheinander, der Schlafmangel… Nicht zuletzt die körperliche Anstrengung. Keine Maßkrüge stemmen bedeutet nicht, dass ich mich im Weinzelt ausruhe. Hier wird alles auf der Schulter getragen – Weißbier kistenweise, das Essen auf vollbeladenen großen Tabletts und eine dieser großen Champagner-Flaschen auf der Schulter zu tragen, ist auch nicht ohne. Gutes Fitnesstraining also!”

Dann bereitest du dich auf die Wiesn bestimmt mit Fitnessstudio vor, oder?

“Gewichte heben im Studio ist mir zu langweilig. Aber ich sehe schon zu, dass ich sportlich fit in die Wiesn starte. Und da gibt ja die Alpenregion bei uns genügend her. Ich bin viel in den Bergen unterwegs, hüpfe in der Mittagspause in den See um eine Runde zu schwimmen, bin viel beim Laufen und Biken.”

Hört sich alles ganz schön stressig und nicht gerade nach Wiesngaudi an! Warum bist du denn dann in diesem Jahr wieder dabei?

“Ganz einfach: Ich bin stolz, Wiesnbedienung zu sein! Und es macht trotz allem total Spaß. Das ganze Weinzelt wird wie eine zweite Familie auf Zeit. Am letzten Tag werden dann auf einer großen Tafel im Personalbereich die Stunden rückwärts gezählt, als Countdown zum Ende der Wiesn. Dann wird man tatsächlich von Stunde zu Stunde ein klein wenig melancholischer und denkt sich trotz aller Mühen und Plagen  ” Ach schad, jetzt is scho wieda vorbei”!”

Dann wünschen wir dir eine gute Wiesn, nette Gäste, ganz viel Spaß und dass du wieder gut zu uns hoam kommst in die Alpenregion!

 

 

Florian Liebenstein

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