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Skitour am Spitzingsee: Winterzeit – Lawinenzeit

Veröffentlicht am: 13. Januar 2016 | um 12:11 Uhr

“Jährlich gibt es über 100 Lawinenunglücke!” Alexander Römer ist staatl. geprüfter Berg- und Skiführer und kennt sich bestens auf diesem Gebiet aus. Wir haben mit ihm im letzten Jahr eine Skitour am Spitzingsee gemacht.

In der Nacht hat es noch einmal geschneit. Was in der Saison 2015/ 16 noch nicht so ganz in Fahrt kommen will, war Anfang 2015 für viele Wochen der tägliche Anblick: Glitzernde Schneemassen, von Skispuren durchzogene Berghänge und blauer Himmel – ein Wintertraum! Wir sind unterwegs im Spitzingsee-Gebiet mit Alexander und Angelina von der Holzkirchener Alpinwerkstatt. Sie bieten Bergsportkurse, Klettersteigcamps  und eben auch Lawinencamps an. Außerdem ist Alexander Römer auf dem Gebiet der Reise- und Bergsportreportagen sehr erfolgreich.

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Mit jedem Schritt Richtung Gipfel knirscht der Schnee, jede Abfahrt entlohnt für die Mühen des Aufstiegs, der Blick auf den gefrorenen Spitzingsee ist fast unwirklich und die Sonne lässt das umgebende Weiß noch heller strahlen. Eine wirkliche Traumtour! Dass jede Ski- oder Schneeschuhtour, aber auch jeder “Ausflug” abseits der präparierten Pisten auch Gefahren birgen kann, mahnt Alexander Römer. Immer wieder deutet er hinauf zu den Gipfeln von Bodenschneid, Stümpfling und Co., wo die frischen Spuren der anderen Skitouren-Geher noch gut sichtbar sind. “Die meisten Lawinen werden von Menschen ausgelöst.” Hier geht es nicht unbedingt um die Staublawinen, wie sie aus Hollywood-Filmen hinreichend bekannt sind, sondern eher um die sogenannten Schneebrettlawinen. “Diese sind vom Wind gemacht. Das heißt, es fällt Schnee und während des Schneefalls herrscht starker Wind.” Dieser Schnee wird dann vom Wind an ost- oder nordseitige Berghänge “geworfen” und die Schneekristalle brechen. Es entsteht eine rundliche Form der Kristalle, die keinen Halt an den Hängen findet. Bodenerschütterungen und Druck lösen dann diese Schneebretter – hierfür ist dann meist der Mensch verantwortlich.

Um genau diese Situation richtig einzuschätzen und zu vermeiden, bietet die Alpinwerkstatt spezielle Lawinenkurse im Spitzingseegebiet an. Hierbei lernt man auch die richtige Vorgehensweise bei einem Lawinenunglück: “Die ersten 15 Minuten gelten nur der Suche, da hier die Lebenswahrscheinlichkeit bei über 90 Prozent liegt!” Wenn man also einige Regeln beachtet und im Ernstfall richtig vorbereitet ist, lassen sich winterliche Touren wie unsere Skitour unbeschwert genießen! Wir haben den Gipfel der Brecherspitz mittlerweile erreicht. Vor uns liegt der Schliersee und am Horizont wirkt München zum Greifen nah. Es wäre wirklich schade, diesen Ausblick aus Angst vor Lawinen nicht genießen zu können!

Alle Infos zum Lawinencamp Bayern gibt es hier: http://www.lawinenkurse.de/

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Florian Liebenstein

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