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500 Jahre Reinheitsgebot: Urbayrisch durch und durch – das Mariensteiner Brauhaus

Veröffentlicht am: 2. Februar 2016 | um 16:02 Uhr

Das Bayerische Reinheitsgebot feiert 2016 Geburtstag und lädt in diesem Jahr zum 500-jährigen Jubiläum ein. Daher besuchen wir im “Jahr des Bieres” interessante Persönlichkeiten in der Alpenregion Tegernsee Schliersee, die mit dem Thema Bier mehr zu tun haben, als ab und zu eine “Feierabend-Halbe”:

Wir sind zu Besuch im Waakirchner Ortsteil Marienstein, bekannt vor allem durch sein Gesundheitsresort und seine Bergbau-Vergangenheit. Hier sind das “Mariensteiner Brauhaus” und sein Gründer Martin Schwind zuhause. Vor dem Haus lassen eigentlich nur die gestapelten Bierkästen darauf schließen, dass hier Bier gebraut werden könnte. Wir sind gespannt, was wir hier vorfinden werden.

Wir stapfen mit Inhaber Martin Schwind durch den tiefen Neuschnee zu einer Art Almhütte, im Garten hinter dem Wohnhaus. Diese erinnert eher an ein großes Gartenhäuschen, als an eine Brauerei! Auf dem Weg erzählt Martin stolz von 200 Hektolitern Bier, also umgerechnet 40.000 Halbe Bier, die er pro Jahr braut. Zehn Verkaufsstellen gibt es schon. Als “Freizeit-Bier-Experte” fragt man sich nur, wie funktioniert das hier logistisch nur? Doch in der Hütte – oder im “Brauhaus” – angekommen, wird aufgeklärt: “Wir brauen momentan in München in einer Gasthausbrauerei. In Marienstein füllen wir nur noch ab.” So erklärt sich auch, warum das Umfeld noch gar nicht so nach Brauerei aussieht. Denn ein Neubau einer Schaubrauerei ist erst geplant, es soll aber schon bald losgehen. Ganz in der Nähe soll es sein. Die Lösung mit dem Brauen in München ist nur vorübergehend, zu aufwendig ist das Hin- und Herfahren, zu kostenintensiv. So sehen wir hier in Marienstein nun nur die Abfüllanlagen, etikettiert wird von Hand von Martin Schwind und seinem Bruder Sebastian.

Das Brauhaus wirbt mit dem Slogan “Der Urbayer unter den Bieren“. Die Erwartungen steigen! Ein “urbayrisches Bier” wird hier also produziert – bayrischer als andere Biere aus dem Freistaat?

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Doch nun mal zurück auf Anfang: Wie ging es eigentlich mit dem Mariensteiner Brauhaus los? “2008 haben Sebastian und ich eine kleine Anlage gekauft, 2011 dann eine größere. Dann war klar, dass man das nicht mehr nur zur Gaudi machen kann.” Nun stellte sich also die Frage: Aufhören oder ein Gewerbe anmelden? Die Brauer aus Marienstein haben sich für die zweite Alternative entschieden. Hier wird schon eine “urbayrische” Eigenschaft deutlich: Aufgegeben wird erst am Schluss!

2013 ging es also dann richtig los: Das “Mariensteiner Brauhaus” war geboren und ist seitdem auf Erfolgskurs. Besonders stolz ist Martin Schwind darauf, dass bisher alles in Eigenleistung vollbracht wurde! “Alles was kommt, soll auch in unserem Eigentum bleiben” meint er, die Beteiligung eines Investors kommt für ihn nicht in Frage. “Wir verkaufen nicht!”  Er wirkt entschlossen und bodenständig – eine weitere “urbayrische” Eigenschaft.

Doch jetzt zum Bier: Vier Sorten haben die Mariensteiner Brauer im Sortiment, Weißbier Hell und Dunkel, Hell Export und Urhell 1904. Diese Sorten sind nicht auf der Grundlage von Marktforschungsdaten gewählt, sondern haben eine “Geschichte”. So ist 1904 das Jahr, in dem das Mariensteiner Bergwerk seinen Betrieb aufnahm. Auch ist das “Helle” dunkler, als andere Biere dieser Sorte, als Anlehnung an den Kohlebergbau in Marienstein. Man ist also heimatverbunden und besinnt sich auf die Ortsgeschichte – ganz urbayrisch.

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Und was macht das Bier des Brauhauses nun aus? Wo ist der Unterschied zu den Großbrauereien? Die Antwort ist laut Martin Schwind ganz einfach: “Der Geschmack! Er ist ganz anders als bei den Großen. Wir produzieren langsamer, bei niedrigeren Temperaturen. Außerdem ist unser Bier unfiltriert, so bleiben Geschmack und Vitamine erhalten, dafür hat es halt eine kürzere Haltbarkeit – wie bei der Milch. Die verschiedenen Sorten entstehen bei uns nicht von der Zugabe von Glukose und Hopfenextrakt, sondern aus den Rohstoffen.” Diese kommen übrigens ausschließlich aus Bayern, was das Prädikat “urbayrisch” wohl noch einmal bestätigt!

Nun aber Hand auf’s Herz: Wir wollen wissen, welche Sorte Martin Schwind selbst am liebsten trinkt! “Eigentlich das Hell Export, momentan aber das Urhell 1904″ – Stopp! Warum “momentan”? “Unsere Biere sind immer unterschiedlich, es ist ja ein Naturprodukt, das in Handarbeit entsteht!”

Apropos Handarbeit: Wie reagiert ihr auf den momentanen Craftbier-Trend? Ist Pale Ale, IPA oder Lager in der Planung? Martin Schwind bleibt “urbayrisch” gelassen: “Für diese Sorten wird mehr Hopfen benötigt, was das Bier teurer macht. Daher muss man erst noch sehen, ob es so weiter geht und sich der Trend wirklich durchsetzt, schließlich geht’s den Kunden ans Geld. Daher erst einmal abwarten…”

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Wenn kein möglichst ausgeflippter Name für das nächste IPA gefunden werden muss – wie geht es dann weiter? “Wir haben uns für die Auer Dult beworben, außerdem gehen wir auf die “Food & Life” Messe in München.” Größtes Projekt ist natürlich der bevorstehende Neubau. Dann sollen auch neue Sorten ins Sortiment aufgenommen werden. Martin Schwind denkt zum Beispiel an spezielle “Monatsbiere”. Abheben werden die Brauer aus Marienstein allerdings nicht: Trotz Messen und Bauprojekt soll das Hauptgeschäft in der Region bleiben.

Zum Abschluss wollen wir wissen, wie das bevorstehende Jubiläum “500 Jahre Reinheitsgebot” in Marienstein gefeiert wird. Ein eigenes Etikett soll es geben. Außerdem nimmt das Brauhaus an der großen Hauptveranstaltung des Bayerischen Brauerbunds und der Privaten Brauereien Bayern in München teil. Vom 22. bis 24. Juli 2016 werden rund 100 bayerische Brauereien in der Münchner Innenstadt zeigen, was wahre Braukunst bedeutet.

Viel haben die Brauer von Marienstein also vor in nächster Zeit. Der “Urbayer unter den Bieren” bleibt zwar “urbayrisch”, bricht aber doch zu neuen Ufern auf – wir wünschen viel Erfolg und ein schönes “Geburtstagsfest” für unser bayrisches Bier!

Hier gibt es weitere Informationen zum Mariensteiner Brauhaus.

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Florian Liebenstein

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